Was ist Erdwärme und wie wird mit Erdwärme geheizt?

Mit Energie aus der Umwelt heizen, statt Öl und Gas dafür verheizen und unnötig CO₂ produzieren. Das ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern markiert eine Trendwende, die sich längst vollzieht. Heizen mit Erdwärme beispielsweise bringt neben der Energieeffizienz noch mehr Vorteile mit sich. Welche das sind, zeigen wir an drei Beispielen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch sie alle eint die Erdwärmepumpe als Kernstück ihres modernen Wärmekonzepts.

Das Heizen mit fossilen Brennstoffen ist schon längst nicht mehr attraktiv. Kein Wunder, gibt es doch richtig lohnenswerte Alternativen. Eine davon, die mit Umweltfreundlichkeit, Energieeffizienz und geringen laufenden Kosten punktet, ist die Wärmepumpe. Sie nutzt entweder die Außenluft, die Erdwärme oder das Grundwasser, um Gebäude zu heizen. Wir werfen nun einen genaueren Blick auf die Erdwärmepumpe, die auch Sole-Wasserwärmepumpe genannt wird, und zeigen ihren enormen Nutzen anhand von drei ganz unterschiedlichen Beispielen.

Hartmut Hron hat sich bei der Antragstellung Hilfe geholt. Er setzt gerne auf Erdwärme.

Heizen mit Erdwärme – so klappt es mit dem Wohnglück für Familien

Für den Fachhandwerker Hartmut Hron gehört die Installation von Wärmepumpen zum beruflichen Alltag. Doch die Sanierung eines Wohnhauses lag ihm ganz besonders am Herzen: Nämlich das, in dem seine Tochter und der Schwiegersohn wohnen. Kurz bevor die Beiden zum ersten Mal Eltern wurden, wollte Hron das 250 Quadratmeter große Haus aus dem Baujahr 2002 energetisch auf den neuesten Stand bringen. Dazu gehörte auch das Heizen mit Erdwärme.

Die Voraussetzungen waren denkbar gut: Die Bauherren hatten das Gebäude bereits mit zwei Erdwärmepumpen ausgestattet, die zum Heizen und für die Warmwasserversorgung genutzt wurden. Diese Wärmepumpenheizung nutzt die Energie aus dem Boden als Wärmequelle. Das funktioniert sogar noch bei Außentemperaturen unter 0 Grad, denn auf Erdwärme ist Verlass: Tief im Erdreich hält sich ein konstantes Temperaturniveau, nahezu unabhängig davon, wie kalt es beispielsweise im tiefsten Winter an der Erdoberfläche wird.

Förderung der Bafa schafft Anreiz für Wärmepumpe

Die verbauten Sole-Wasserwärmepumpen hat Hartmut Hron im Zuge der Modernisierung erneuert. Nicht, weil sie nicht mehr funktioniert haben – denn eine Wärmepumpe ist äußerst langlebig –, sondern aus einem anderen Grund. „Die Wärmepumpen liefen prima. Aber nach 13 Jahren ist natürlich effizientere Technik auf dem Markt“, sagt der Fachhandwerker. Darüber hinaus wurden die Räume nach den Vorstellungen der neuen Bewohner umgestaltet und ein Garten angelegt.

Bei so vielfältigen Modernisierungsmaßnahmen, kommt schnell die Angst vor zu hohen Kosten. Doch es gibt Möglichkeiten, etwas einzusparen: Die Anschaffungskosten für die beiden Geräte, die Erdwärme nutzbar machen, ließen sich durch die Förderung des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle senken. „Insbesondere effiziente Geräte werden gefördert – gute Werte, gute Förderung. Die Chance wollten wir nutzen!“ erklärt Hron. 6.750 Euro Förderung sind es bei ihm geworden, die Antragstellung war unkompliziert und schnell erledigt.

Drei Geräte, die mit Erdwärme arbeiten, sind im Einsatz, um die Kirche warm zu halten.

Eine Kirche setzt auf nachhaltige Bauweise – inklusive Erdwärmepumpe

Wie vielseitig eine Erdwärmeheizung einsetzbar ist, zeigt die Probsteikirche Trinitatis in Leipzig. Hinter dem Neubau aus dem Jahr 2017 steckt eine durchdachte Planung, inklusive einem klaren Nachhaltigkeitskonzept. Daher wurden weitestgehend schadstofffreie Materialien verwendet, die Bauteile sind deutlich stärker gedämmt als vorgeschrieben, und statt Fernwärme kommt hier Erdwärme zum Einsatz, um das Gotteshaus zu heizen.

„Leipzigs Innenstadt ist Fernwärmegebiet. Die Gemeinde wollte aber energetisch so autark wie möglich sein und ganz auf erneuerbare Energien setzen“, erläutert Torsten Hauke vom verantwortlichen TGA-Planungsbüro MLT. Aus diesem Grund fiel die Entscheidung auf die Nutzung von drei Sole-Wasser-Wärmepumpen. Die Wärme für die Gebäudeheizung wird mit Hilfe von 18 Erdsonden mit je einer Tiefe von 140 Metern, bzw. einer mit einer Tiefe von 100 Metern, aus dem Erdreich gewonnen.

Wichtig bei Erdwärme: Tiefenbohrung für Erdsonden nötig

Bei der Installation einer Wärmepumpe, die Erdwärme nutzt, sind Erdbohrungen für Erdsonden oder Erdarbeiten für Erdkollektoren nötig. Im Falle von Erdsonden, wie sie bei der Probsteikirche verwendet werden, ist zwar eine gewisse Tiefe nötig, dafür ist der Platzbedarf gering. Gerade für innerstädtische Bau- oder Sanierungsprojekte ist das von enormem Vorteil.

Die Erdwärmepumpen tragen dazu bei, dass das Wohnhaus Effizienzklasse A+ hat.

Bezahlbares Wohnen dank Erdwärme

Auch in Mehrfamilienhäusern ist das Heizen mit Erdwärme eine zeitgemäße und effektive Alternative zu Öl- und Gasheizungen. Das beweist die Hiltruper Wohnungsgenossenschaft eG, die bei ihrem Neubauprojekt besonders viel Wert auf das Wärmekonzept gelegt hat. „Ganz wichtig war uns ein moderner, zukunftssicherer Neubau, der nachhaltig und effizient mit den Ressourcen und nicht zuletzt mit der Energie umgeht“, sagt Jutta Richter, Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft und selbst Mieterin in dem fortschrittlichen Neubau.

Sich dabei Geothermie – ein anderes Wort für die nutzbare Erdwärme – zunutze zu machen, ist ein fester Bestandteil des Gesamtkonzepts. Zwei geothermische Großwärmepumpen versorgen die zu beheizende Fläche, das sind stolze 2.400 Quadratmeter, mittels Fußbodenheizung. Dazu wurden verteilt über das Grundstück insgesamt 14 Bohrungen vorgenommen. Für die müssen Verantwortliche eine Genehmigung einholen, in Wasserschutzgebieten sind solche Bohrungen in der Regel nicht möglich. Im Fall des Hiltruper Neubaus wurde eine Ausnahme gemacht.

Beste Energieeffizienz durch ausgefeiltes Wärmekonzept

Die Erdwärmepumpen sind mit dafür verantwortlich, dass die Energiewerte im Energieausweis des Gebäudes hervorragend sind. Dazu kommt noch, dass alle 24 Wohneinheiten mit dezentralen Be- und Entlüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung ausgestattet sind. Das sorgte zusammengenommen für eine Effizienzklasse A+. Auch eine Photovoltaikanlage auf dem Gebäudedach ist im Gespräch, um auch die Stromerzeugung in die eigene Hand zu nehmen.

Die drei Beispiele reichen vom Privathaushalt bis zum gut besuchten Gotteshaus. Das zeigt, wie groß die Einsatzmöglichkeiten für Wärmepumpen sind, die Erdwärme nutzen – sie eignen sich nämlich für fast jedes Gebäude. Dabei können sie sich an einem nahezu unerschöpflichen Vorrat an Energie bedienen und überzeugen zudem mit Betriebssicherheit und Energieeffizienz.