Klaus Töpfer besucht Stiebel Eltron in Holzminden

Strom muss für die Wärmeerzeugung genutzt werden

Diskutierten die Kernpunkte der aktuellen Energiedebatte (von links): die Stiebel-Eltron Geschäftsführer Karlheinz Reitze und Rudolf Sonnemann, Prof. Dr. Klaus Töpfer, Dr. Ulrich Stiebel sowie die für die Verbandsarbeit zuständigen Holger Thamm und Daniel Arok.

„Es wird in Zukunft nicht mehr um die Frage gehen, wie sich die erneuerbaren Energien in das bestehende Strommarktdesign einpassen – sondern darum, wie sich der konventionelle Kraftwerkspark an die erneuerbaren Energien anpasst!“ So wie bei diesem Statement waren sich Prof. Dr. Klaus Töpfer und die Vertreter von Stiebel Eltron in zahlreichen Punkten einig, die jetzt im Rahmen eines Besuchs des ehemaligen Bundesumwelt- und Bauministers in Holzminden diskutiert wurden.

Dr. Ulrich Stiebel, die Geschäftsführer Rudolf Sonnemann und Karlheinz Reitze sowie die für die Verbandsarbeit zuständigen Holger Thamm und Daniel Arok tauschten sich mit Prof. Dr. Klaus Töpfer über die Kernpunkte der aktuellen Energiedebatte aus. Töpfer betonte, dass er flexible Stromtarife für absolut dringlich erachte – und diese als Vorstufe einer eventuellen Flatrate für Strom sehe. Grundsätzlich werde zukünftig die Nachfrage nach Energie im Vordergrund stehen und nicht mehr wie derzeit das Angebot. „Sie sprechen uns aus der Seele“, verdeutlichte Rudolf Sonnemann die Haltung Stiebel Eltrons. Einig war man sich auch in Feststellung, dass „Speichersysteme eine zentrale Rolle spielen werden“ – und dass der häusliche Wärmemarkt hier ein riesiges Potenzial darstelle: ‚Power to heat‘, also die Speicherung volatil erzeugten Stroms in Form von Wärme, sei für das Gelingen der Energiewende unerlässlich.

Dass solche Systeme längst verfügbar sind, zeigte auch ein Beispiel, dass Karlheinz Reitze präsentierte: Ein Bestandshaus wurde mit einer Photovoltaik-Anlage ausgerüstet, der Strom für den Haushalt genutzt und die Warmwasserbereitung auf Wärmepumpe umgestellt. Warmwasser-Wärmepumpe sowie zwei im Haus arbeitende Waschmaschinen werden intelligent von einem Energiemanagement-System zugeschaltet, wenn überschüssiger PV-Strom vorhanden ist. Zusätzlich wurde ein Batteriespeicher installiert, der Strom direkt speichern kann. „Mit diesem Mix erreichen wir eine Selbstnutzung des PV-Stroms von rund 40 Prozent“, erklärte Reitze.

Die Selbstnutzung von eigenproduziertem Strom sei auf jeden Fall ein richtiger Schritt, gleichzeitig bleibe aber die Umgestaltung des Energiemarktes eine wichtige Aufgabe: „Wir müssen im Strombereich eine Flexibilisierung der Nachfrage aufbauen, in einem ersten Schritt gegebenenfalls auch erst nur auf lokaler oder regionaler Ebene. Und es muss eine Differenzierung des Produktes geben“, erklärte Töpfer, „eine Kilowattstunde Strom aus PV-Anlagen, die mittags bei strahlendem Sonnenschein produziert wird, muss günstiger sein als eine Kilowattstunde aus der PV-Anlage, die in den Abendstunden erzeugt wird.“ Der große Ansatz sei, Flexibilität sowohl beim Angebot als auch bei der Nachfrage zu schaffen.

Klaus Töpfer zeigte sich überzeugt, dass Stiebel Eltron mit seinen Lösungen auf dem richtigen Weg ist: „Um einen alten Spruch zu bemühen: Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Und die Zeit für solche Lösungen ist jetzt gekommen.“ Er wies allerdings auch darauf hin, dass man nicht nur auf Deutschland schauen dürfe: „Technische Lösungen müssen weltweit vermittelbar sein, sonst werden sie sich nicht durchsetzen.“ Auch in diesem Punkt waren sich die Gesprächspartner einig.