BWP Branchenstudie

Energiepolitische Trägheit blockiert Klimaschutz im Wärmesektor: Die Wärmewende braucht jetzt ein entschlossenes Handeln der Politik

Absatz von Wärmepumpen von 2010 bis 2050 (ab 2018 Prognose in zwei Szenarien)

Mit seiner marktorientierten Branchenstudie legt der Bundesverband Wärmepumpe zum fünften Mal seit 2009 eine fundierte Einschätzung zur Marktentwicklung der Wärmepumpe vor. Die Studie 2018 beinhaltet neben einer differenzierten Absatzdarstellung auch eine Prognose für den Wärmepumpenmarkt in zwei Szenarien bis zum Jahr 2050.

Die Wärmepumpe erreicht seit 2016 jährliche Wachstumsraten von etwa 17 Prozent. So wurden im Jahr 2017 rund 78.000 Heizungs-Wärmepumpen verkauft, das ist etwa neunmal so viel wie noch im Jahr 2000. Mit 799.000 Geräten zur Beheizung und 261.000 zur reinen Warmwasserbereitung liegt der Anteil der Wärmepumpen am deutschen Heizungsbestand bei mittlerweile 4 Prozent. Das Wachstum findet vor allem im Neubausegment statt, hier war die Wärmepumpe in den 2017 genehmigten Gebäuden mit 41 Prozent erstmals die beliebteste Heiztechnik. Gründe für den Wachstumstrend sind, neben der aktuell guten Baukonjunktur, die in der EnEV 2016 verschärften Anforderungen an die Gebäudeeffizienz sowie – bezogen auf den Gebäudebestand – die seit 2015 verbesserte Förderung im Marktanreizprogramm.

Die Branchenstudie führt die Marktentwicklung in zwei Szenarien fort bis zum Jahr 2050. In einem konservativen Szenario zeigt sich, dass unter Beibehaltung der derzeitigen Rahmenbedingungen im Laufe von drei Jahrzehnten maximal mit einem Anwachsen des Wärmepumpenbestandes auf ca. 3,7 Millionen Geräte zu rechnen sei. Das wäre gegenüber dem Potenzial der Effizienztechnologie und den Zielen für den Gebäudesektor deutlich zu wenig. Deshalb wurde in einem progressiven Szenario die Umsetzung einiger derzeit diskutierter Maßnahmen zur Stärkung des Wärmepumpenmarktes angenommen. Unter Einbeziehung u.a. der steuerlichen Abschreibung von Gebäudesanierungen und einer Abgabenentlastung des Energieträgers Strom würde sich die Marktlage der Wärmepumpe vor allem im Gebäudebestand deutlich verbessern: Mit mehr als acht Millionen Wärmepumpen käme die Effizienztechnologie bis zur Mitte des Jahrhunderts auf einen Marktanteil von ca. 47 Prozent. So könnte durch den verstärkten Einsatz von Wärmepumpen bis 2050 jährlich eine CO2-Einsparung von mehr als 500 Millionen Tonnen erreicht werden.

Um einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen, wie es der Klimaschutzplan vorsieht, wäre allerdings ein Gerätebestand von bis zu 16 Millionen Wärmepumpen anzustreben – so aktuelle Studien der Agora Energiewende und des BDI. Hier ist also von Politik und Gesellschaft ein deutlich stärkeres Umlenken zu mehr Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien im Wärmemarkt erforderlich.

Die BWP-Branchenprognose 2018 wird ab Ende November in der Endfassung vorliegen.